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In seinem letzten Arbeitszeugnis steht:
"....., dass Herr Schulz sich den ihm übertragenen Aufgaben mit Eifer gewidmet
hat." Herr
Schulze hatte sich über diesen Satz sehr gefreut, zeigte er doch stets großen
Fleiß, war ganz selten krank, machte Überstunden und war immer ansprechbar. Warum bekam er jetzt nur so wenig Vorstellungsgespräche?
Arbeitszeugnisse können verschlüsselte Botschaften enthalten, die das nächste Unternehmen
über die wahren Qualifikationen des Bewerbers unterrichten. Diese
verschlüsselten Botschaften, auch Zeugniscodes genannt, sind aus der Not heraus
entstanden. Einerseits, sagt die deutsche Rechtsprechung, muss das Zeugnis
„wohlwollend formuliert sein und darf den Beurteilten nicht im Weiterkommen
behindern“, andererseits gibt es eine „Haftung für den Aussteller eines
Zeugnisses, wenn er wissentlich eine falsche Beurteilung abgibt und einem
anderen Unternehmen dadurch Schaden entsteht“. So entstand im Laufe der letzten
Jahrzehnte eine eigene Zeugnissprache, die ohne Vorkenntnisse auf den ersten
Blick nicht zu entschlüsseln ist.
Leider weiß unser Herr Schulze nichts von der Giftliste - ein Teil der
Zeugnissprache, die den Bewerber besonders hart trifft. In unserem Fall bedeutet
"die ihm übertragenen Aufgaben": "Er tat nur das was man ihm sagte." und es fehlt
der Zusatz, dass die Arbeit auch erfolgreich war. Fleiß alleine ohne positives
Arbeitsergebnis reicht nicht aus, denn so bedeutet es:"leider erfolglos".
Für Herrn Schulze wäre es jedoch außerordentlich wichtig den tatsächlichen Inhalt
seines Arbeitszeugnisses zu kennen. Nur dann weiß er, was der letzte Arbeitgeber
wirklich von ihm gehalten hat. Nur dann weiß er, auf welcher Grundlage er sich
bei dem neuen Arbeitgeber vorstellt, und er kann sein Anschreiben zur
Bewerbungsmappe und sein Vorstellungsgespräch danach richten. Möglicherweise
kann er auch gerichtlich gegen diesen Passus im Arbeitszeugnis angehen.
Für das Unternehmen ist es unserer Meinung nach ebenfalls wichtig, diese Codes zu kennen,
damit nicht aus versehen jemand ins "AUS" geschrieben wird.
Ein Arbeitszeugnis begleitet einen Arbeitsnehmer ein Arbeitsleben lang. Ein Arbeitszeugnis
wird auch nach Jahrzehnten noch gelesen und sein Inhalt entfaltet auch dann noch
seine Wirkung.
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